Chronologisch aufgelistet, die Neusten zuerst.

************************
Ostseezeitung, 1.8.2011

Gegner der Riesen-Ferkelei halten aus
Jeden Montag gibt es Bürgerproteste gegen Europas größte Schweinefabrik in Alt Tellin.

Von Elke Ehlers

Alt Tellin – Regen, Schnee, Hitze, Sturm – bei jedem Wetter stehen sie montags zum Feierabend vor den Ruinenställen bei Neu Plötz im Landkreis Demmin. Mal sind es 20 Leute, mal 40. „Zu Ostern waren wir 85, einige brachten sogar ihre Feriengäste mit“, erzählt Günter
Hegewald von der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“. Was die Menschen zu den Stallruinen treibt, ist das Ansinnen des Agrar-Investors Adrian Straathof, der in der Gemeinde Alt Tellin Europas größte Ferkelfabrik plant.
Seit 20. Dezember 2010 treffen sich Frauen, Männer, Kinder und protestieren gegen das Großprojekt, heute zum 33. Mal. Immer am Montag – wie in Baden-Württemberg die Gegner des Bahnhofsprojekts „Stuttgart 21“. Zahlenmäßig kann sich die kleine Truppe aus dem 30-Kilometer-Umkreis der mecklenburgischen 450-Seelen-Gemeinde nicht mit dem Zug der Zehntausenden in der süddeutschen Metropole messen. Wohl aber in ihrer Hartnäckigkeit.
Nach Auffassung der Bürgerinitiative dürfte die Anlage nicht gebaut werden. Nicht nur, weil sie den stillen Dörfern im Tollensetal Lärm, Gestank und Umweltbelastungen bringt. Sondern vor allem, weil Tierhaltung in solcher Dimension nicht mehr akzeptabel sei. Außerdem meinen die Aktiven, dass die Sauenanlage gegen Landesbauordnung und Tierschutzgesetz verstößt. Für völlig unzureichend halten sie den Brandschutz. Ein aktuelles Gutachten belege, dass die Evakuierungsmöglichkeiten nicht ausreichen. „Tiere würden wie Sachen verbrennen, auch die Menschen kämen bei einem Brand nicht schnell genug heraus“, befürchtet Jörg Kröger, Sprecher der Bürgerinitiative.
Die Montags-Treffen sind angemeldete Demonstrationen, die Polizei schickt oft einen Streifenwagen vorbei. „Wir haben aber keine Probleme miteinander, bei uns gab es nie Gewalt“, sagt Heike Irmer, Lehrerin ausDemmin. Dass Unbekannte kürzlich auf der Baustelle die Vermessungsarbeiten störten, hält die Bürgerinitiative für „kontraproduktiv“, wie Kröger sagt. „Wir haben bessere Argumente gegen den Bau.“
Die Montagstreffen versteht die kleine Truppe als vor-Ort-Inspektionen. „Wir schauen dem Investor auf die Finger.“ Landwirt Carl Hesse, dessen Weizenschlag an den Bauzaun grenzt, kommt öfter mit Frau und Kindern zur Demo. „Was Straathof hier machen will, hat mit Landwirtschaft nichts zu tun“, sagt der Bauer. Industriell Ferkel zu produzieren und anonym Hunderte Kilometer durch Deutschland zu fahren, das passe nicht zu seiner Auffassung von Landwirtschaft. Der gebürtige Niedersachse führt hier einen Hof, saniert das Plötzer Gutshaus, seineKinder gehen in der Region zur Schule. „Straathof wird nie nach Mecklenburg ziehen, der baut nur Ställe.“ Alt Tellins Bürgermeister Frank Karstädt sieht die Bürgerinitiative mit gemischten Gefühlen: „Ich akzeptiere, dass einige die Anlage nicht wollen“, sagt der 48-Jährige. „DieGegner sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass die Baugenehmigung
rechtsstaatlich erteilt wurde.“ Solche Großanlagen seien genehmigungsfähig. „Wer demonstrieren will, soll in Schwerin oder Berlin für neue Gesetze streiten.“ Der Bürgermeister sieht das Positive, das die Anlage der Gemeinde bringen soll: 35 Arbeitsplätze und Fernwärme aus der Gülle-Biogasanlage. Karstädt sieht auch Parallelen zu „Stuttgart 21“: „Dort war sogar der grüne Ministerpräsident dagegen, gebaut wird es trotzdem.“
Die Ferkelfabrik Alt Tellin wird wohl auch gebaut. „Diese Anlage können wir vielleicht nicht verhindern“, sagen die Teilnehmer der Bürgerinitiative. „Aber künftige.“

Industrielle Tierhaltung
250 000 Ferkel sollen in Alt Tellin pro Jahr produziert werden. In sechs Ställen sollen ständig mehr als 45 000 Tiere untergebracht sein – 10 500 Sauen, 36 000 Ferkel und ein paar Eber.
Investor ist die Straathof Holding Gladau (Sachsen-Anhalt), die in den neuen Bundesländern bereits sieben Anlagen betreibt. Zwei davon befinden sich in MV, in Fahrbinde bei Ludwigslust und Medow bei Anklam.

*********************

Artikel vom 25.07.2011

Streit um den Brandschutz für SchweineAlt Tellin (TB).

Beim geplanten Bau der umstrittenen Schweinezuchtanlage in der Gemeinde Alt Tellin scheint es erneut Unstimmigkeiten zu geben. Tierschützer hatten bezweifelt, dass im Falle eines Brandes Tiere und Menschen rechtzeitig gerettet werden könnten (der Nordkurier berichtete). Die Leiterin des staatlichen Umweltamtes, Christa Maruschke, erklärte daraufhin, dass großer Wert auf vorbeugenden Brandschutz gelegt worden sei, damit es gar nicht erst zu Bränden komme. Die Kreisverwaltung hatte dagegen berichtet, dass die Prüfung des Brandschutzes noch gar nicht abgeschlossen sei.

*****************
Artikel vom 22.07.2011
war eine Meldung in Nordkurier, Ostseezeitung und ndr.de

Baugenehmigung für Schweinezuchtanlage bleibt
Alt Tellin (dpa). Die umstrittene Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin) darf trotz Bedenken von Tierschützern gebaut werden. „Es gibt keine Veranlassung, die Baugenehmigung zurückzuziehen“, sagte die Leiterin des staatlichen Umweltamtes Neubrandenburg, Christa Maruschke, am Freitag.

Für rund 20 Millionen Euro sollen sechs Ställe entstehen, in denen insgesamt 10 500 Muttersauen gehalten werden. Es wäre die größte Schweinezuchtanlage im Nordosten. Tierschützer bezweifeln, dass im Brandfall Tiere und Menschen rechtzeitig gerettet werden könnten. Es sei großer Wert auf vorbeugenden Brandschutz gelegt worden, damit es gar nicht zu solchen Großbränden komme, sagte Maruschke.

Der Bau der Stallanlage hat noch nicht begonnen.

***************

Nordkurier, Artikel vom 22.07.2011

„Ferkelfabrik fehlt der Brandschutz“
„Sie müssten qualvoll verenden.“

Alt Tellin (tb).

Der Brandschutz in der bei Alt Tellin geplanten Sauenanlage ist nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Tierschutzbundes völlig unzureichend. Beide Organisationen haben nach eigenen Angaben ein Gutachten in Auftrag gegeben, das belege, dass in der geplanten Anlage für Tiere und Personal keine ausreichenden Evakuierungsmöglichkeiten bestünden. „Das vorgelegte Brandschutzkonzept ist schwer fehlerhaft. Weder tausende Sauen noch zehntausende Ferkel könnten im Brandfall schnell genug die Anlage verlassen. Sie müssten qualvoll verenden“, meint die Landesgeschäftsführerin des BUND, Corinna Cwielag. Aber auch Personal und Feuerwehrleute würden bei einem Feuer durch die in den viel zu engen Gängen in Panik geratenen Tiere unzulässig gefährdet. Das Brandschutzkonzept gehe von fehlerhaften Annahmen aus. So entsprächen die errechneten Evakuierungszeiten in keiner Weise den Tatsachen. „Für Hausschweine wurde die von Wildschweinen erzielbare Geschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde angesetzt. Eine Hausschweinsau kann diese Geschwindigkeit aber nie erreichen“, ist die BUND-Geschäftsführerin überzeugt. Außerdem werde mit viel zu wenig Tierzahlen gerechnet. Statt 17 920 Ferkel seien für die Evakuierung eines Stallabschnittes lediglich 1050 angenommen worden. Der BUND hat sich nun an die zuständigen Behörden gewandt.

Es sei fraglich, ob für Tierbestände mit mehr als 10 000 Muttersauen und tausenden Ferkeln überhaupt ein effektiver Katastrophenschutz erreicht werden könne. Bei derart großen Anlage lägen dazu noch keine Erfahrungen vor, so Corinna Cwielag.

Scharfe Kritik kommt auch vom Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Es sei schon untragbar, zehntausende von Tieren unter grausamen Bedingungen halten zu wollen. „Aber nicht einmal die Rettung dieser Tiere im Brandfall durch ein geeignetes Konzept zu sichern, zeigt die moralische Verrohung“, so Apel.

Der Landkreis Demmin, der im Zuge der Baugenehmigung auch den Brandschutz zu prüfen hatte, wollte sich zu den Vorwürfen gestern nicht äußern. Begründung: Das Prüfverfahren laufe noch.

************

dpa vom 21.07.2011 17:01
Tierschützer: Brandschutz in Schweinezuchtanlage unklar

Alt Tellin (dpa/mv) – In der geplanten, aber umstrittenen Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Kreis Demmin) wäre nach Angaben von Tierschützern der Brandschutz für Menschen und Tiere nicht ausreichend gewährleistet. Das habe ein Gutachten im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz und des Tierschutzbundes ergeben, teilten die Verbände am Donnerstag mit. Damit müsse die erteilte Baugenehmigung für die größte Schweinezuchtanlage im Land zurückgezogen werden. Für rund 20 Millionen Euro sollen sechs Ställe entstehen, in denen insgesamt 10 500 Muttersauen gehalten werden. Umweltverbände hatten das mehrfach als «Massentierhaltung» kritisiert und eine Genehmigung zu verhindern versucht. Im zuständigen staatlichen Umweltamt war am Donnerstag niemand mehr zu erreichen.

***************************************

Nordkurier, Artikel vom 14.07.2011

Sicherheitsleistung für Ferkelfabrik steht noch aus

Auflagen. Der Investor hat für den Bau der Schweinemastanlage Alt Tellin nur noch eine Bedingung zu erfüllen.

Alt Tellin (TB). Eine Sicherheitsleistung in Höhe von 769 100 Euro ist derzeit alles, was einem offiziellen Baubeginn für die Schweinemastanlage in Alt Tellin noch im Wege steht. Alle anderen Auflagen habe der holländische Investor inzwischen erfüllt, teilte die Leiterin des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Neubrandenburg, Christa Maruschke, am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mit. Es habe eine Vielzahl von Auflagen gegeben, von denen jetzt nur noch die Sicherheitsleistung ausstehen würde.

Die Sicherheit müsse vor Baubeginn erbracht werden, zum Beispiel in Form einer Bankbürgschaft. Das Geld soll der Investor als Rücklage aufbringen für den Fall, dass er die Anlage eines Tages zurückbauen muss. Nach massiven Erdarbeiten ist auf dem Gelände der geplanten Ferkelfabrik seit einigen Wochen wieder Ruhe eingekehrt. Nach Ansicht des Investors handelte es sich bisher nur um eine „Baufeld-Freimachung“, die rechtlich noch nicht zur Baumaßnahme gehöre.

Vor zwei Wochen hatten Gegner der geplanten Anlage mit einer Kundgebung gegen die vorgesehene Massentierhaltung protestiert. Hier gingen die Meinungen auseinander, ob der Investor die geforderte Summe als Sicherheitsleistung aufbringen oder der Bau der Anlage doch noch verhindert werden kann (der Nordkurier berichtete). Sollte weitergebaut werden, sind weitere Protestaktionen angekündigt.

Auch eine Besetzung oder eine Blockade der Baustelle seien dann nicht mehr auszuschließen, hieß es auf der Demonstration Ende Juni vor dem Baugelände bei Neu Plötz.

*********************
Artikel von tagesschau.de
Unterwegs in niedersächsischen Ställen
Das Geschäft mit den Schweinen
Verseuchtes Wasser, gefährliche Keime, mangelnder Tierschutz – wegen der Folgen für Umwelt und Gesundheit ist die industrielle Tiermast umstritten. Die Landwirte dagegen argumentieren, sie müssten im Wettbewerb bestehen. „Panorama – die Reporter“ war unterwegs in niedersächsischen Ställen.
Von Oda Lambrecht für tagesschau.de

Der schmale weiße Teststreifen färbt sich dunkelrot. Günter Ottens ist empört. Der Rentner steht in seinem Garten in der niedersächsischen Gemeinde Damme und testet sein Brunnenwasser auf Nitrat. Dunkelrot bedeutet mehr als hundert Milligramm, vielleicht sogar zweihundert. Das sei reichlich, alles was über fünfzig liege, sei für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet, sagt Ottens. Er kann nun nicht einmal mehr sein Gemüse damit gießen.
Ottens protestiert deshalb gegen die Schweinehalter in der Nachbarschaft und damit auch gegen die industrielle Tiermast. Die Region rund um Vechta und Cloppenburg ist das Zentrum der deutschen Fleischproduktion. Von insgesamt mehr als 25 Millionen Schweinen in Deutschland werden allein acht Millionen in Niedersachsen gehalten. Jedes von ihnen produziert rund 600 Liter Gülle im Jahr.

Der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) beklagt, dass zu viele Nährstoffe auf die Felder gelangen. Durch die Überdüngung der Böden steigen die Nitratwerte im Grundwasser. Deshalb schlägt auch der Wasserversorger der niedersächsischen Region Alarm. Egon Harms vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) sagt, der Grundwasserschutz gerate ins Hintertreffen, weil die Intensivierung der Landwirtschaft fortschreite.
Doch die Nutztierhaltung hat die Region auch wohlhabend gemacht. Die sogenannte Veredelungswirtschaft ist wichtiger Teil der deutschen Agrarindustrie. Mehr als fünf Millionen Tonnen Schweinefleisch werden in Deutschland jährlich produziert. Deutschland gehört dabei hinter den USA und China zur Weltspitze.
Kein Stroh, keine Bewegung, kaum Tageslicht
Auch Landwirt Dirk Frahne ist Teil dieser Agrarwirtschaft. Er hält etwa dreihundert Sauen in Goldenstedt – knapp fünfzig Kilometer nordöstlich von Damme. Seine Tiere sehen zwar satt und sauber aus, doch sie stehen dicht gedrängt auf Betonboden, eingezwängt in massive Metallgitter – kein Stroh, keine Bewegung, kaum Tageslicht. Die Luft ist stickig. Es stinkt. Kot und Urin werden durch schmale Spalten im Boden gedrückt – in den darunter liegenden Güllekeller. Beißendes Ammoniak liegt in der Luft.

Frahne sagt, er müsse das Maximum aus seinen Sauen herausholen. Er müsse günstig produzieren, das wolle der Verbraucher so. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt knapp 40 Kilogramm Schweinefleisch im Jahr. Wie in Frahnes Stall haben die meisten Schweine in der konventionellen Haltung keine Ringelschwänze mehr, die werden in der Regel gekürzt. Da die Tiere wenig Platz und kaum Beschäftigungsmöglichkeiten haben, würden sie sich sonst gegenseitig die Schwänze blutig beißen. Und das kann zu schweren Infektionen führen.
Eigentlich ist das sogenannte Schwänzekupieren in Ländern der EU nur in Ausnahmen nicht „routinemäßig“ erlaubt. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) will mit seinem Tierschutzplan erreichen, dass die Bauern darauf in Zukunft ganz verzichten. Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Tierschutz stärken. Zum Beispiel sollen Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen, denn auch das ist bislang agrarindustrielle Routine.
Massentierhaltung – Gefahr für den Menschen

Kritiker der intensiven Tiermast sorgen sich allerdings nicht nur um das Wohl der Tiere, sondern inzwischen auch um die Gesundheit der Menschen. Der Tierarzt Hermann Focke, früher Amtsveterinär in der Region, warnt schon lange vor einem verantwortungslosen Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Ein Riesenskandal sei es, kritisiert der Veterinär, dass man bis heute nicht einmal wüsste, wie viele Antibiotika insgesamt in der Nutztierhaltung eingesetzt würden. Tiere und Menschen werden dadurch resistent, und Antibiotika helfen dann bei Infektionen nicht mehr.
Mit der Zeit konnte sich so ein gefährlicher Keim verbreiten: MRSA – das steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Dieser Keim ist gegen viele Antibiotika resistent und kommt häufig in Schweineställen vor. Dort kann er auch von Tier zu Mensch übertragen werden. Schweinehalter gehören deshalb zur Risikogruppe. Und wenn die ins Krankenhaus müssen, verbreiten sie den Keim dort möglicherweise weiter.
Immer mehr Fleisch zu immer niedrigeren Preisen

Trotz Umweltschäden und drohender Gesundheitsprobleme boomt die intensive Schweinehaltung. Die Deutschen produzieren immer mehr Fleisch, die Discounter bieten es immer billiger zum Kauf an. Schon längst werden mehr Schweine geschlachtet, als in Deutschland gegessen werden. Immer mehr Fleisch wird deshalb exportiert.
Und einige Investoren hoffen auf noch größere Geschäfte. In Niedersachsen ist zwar kaum noch Platz für neue Mastställe, doch in Mecklenburg-Vorpommern werden freie Flächen schon verplant. Im Nordosten des Landes, in der Gemeinde Alt Tellin zum Beispiel, will ein niederländischer Unternehmer eine Aufzuchtanlage für mehr als 250.000 Ferkel im Jahr bauen. Die Bagger stehen schon bereit.
Mehr zum Them sehen Sie heute Abend um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen: „Panorama – die Reporter. Die Spur der Schweine“

********************
Bericht von der Demo vom 30.6.2011
http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/alttellin125.html

****************************

Nordkurier, Artikel vom 30.06.2011

Protest gegen den „Schweine-Knast“

Vom Rand des Baugeländes zogen die Demonstranten mit Polizeibegleitung zu einer Kundgebung nach Neu Plötz. „Agrarindustrie abrüsten“ oder „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ forderten sie auf mitgeführten Transparenten. Foto: Torsten Bengelsdorf

Kundgebung. Etwa 60 Leute demonstrieren in Neu Plötz gegen die geplante Schweinezuchtanlage. Und sehen erste Erfolge des öffentlichen Drucks.

Von Torsten Bengelsdorf

Neu Plötz. Es ist wieder Ruhe eingezogen auf dem Feld nahe Neu Plötz, wo bis vor einigen Tagen die Bagger schon riesige Erdhügel aufgeschüttet hatten. Und wo am Mittwoch eigentlich der Bau einer der größten Schweinezuchtanlagen Europas ganz offiziell beginnen sollte. Weniger ruhig war es dagegen Donnerstag Vormittag auf der vorbeiführenden Straße, auf der sich etwa 60 Demonstranten versammelt hatten, um gegen die Baustelle und die von dem holländischen Investor geplante Massentierhaltung zu demonstrieren.

„Kein Schweine-Knast in Alt Tellin“ oder „Frisches Wasser, saubere Luft, statt Schweinequal und Gülleduft“ war auf ihren Plakaten und Transparenten zu lesen. Dass die Baumaschinen vorerst wieder abgezogen sind, das sei ein Erfolg des öffentlichen Protestes, waren sich die Demonstranten einig. „Wir haben durchgesetzt, dass im Moment Worte und Taten wieder übereinstimmen. Es ist allerdings schlimm, dass man solche Selbstverständlichkeiten schon als Erfolg werten muss. Es ist doch klar, dass erteilte Auflagen erfüllt werden müssen“, rief Jörg Kröger von der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ ins Mikrofon. Erst durch den öffentlichen Druck sei es dem Amt für Landwirtschaft und Umwelt nun nicht mehr möglich, die Augen vor den unerfüllten Auflagen zu verschließen.

Dass der Investor noch nicht allen Verfügungen nachgekommen ist, hatte am Morgen in Schwerin auch Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Peter Ritter (Die Linke) bestätigt. Ein Baubeginn sei wegen der bisher nicht erfüllten Auflagen derzeit nicht möglich. Eine neue Frist sei dem Investor nicht gestellt worden. Der Investor habe aber zugesichert, erst mit dem Bau zu beginnen, wenn die Auflagen erfüllt sind, gab Ritter die Auskunft des Wirtschaftsministers wider.

Ob der Investor dazu überhaupt in der Lage ist, dazu gab es bei den Demonstranten Donnerstag unterschiedliche Auffassungen. Keine Bank der Welt sei mehr bereit, dem Holländer eine Bürgschaft über 700 000 Euro zu geben, meinte zum Beispiel Olaf Spillner. Das Geld soll der Investor als Rücklage aufbringen, für den Fall, dass er die Anlage eines Tages zurückbauen muss. Heinz Wittmer, der die Protestkundgebung Donnerstag leitete, ist sich dagegen nicht sicher, ob der Bau der Anlage noch verhindert werden kann.

Sollte weitergebaut werden, dann werde es sicherlich zu weiteren Protestaktionen kommen, kündigte Wittmer an und schloss dann auch eine Besetzung oder Blockade der Baustelle nicht aus. „Es kann nicht sein, dass Investoren aus anderen Ländern hierher kommen, weil hier die Bedingungen für den Bau solcher großen Anlagen einfach günstiger sind. Das muss geändert werden“, sprach Wittmer wohl allen Demonstranten aus dem Herzen. So wie Christine Ambos aus Wietzow. „Ich finde es ganz schrecklich, dass Menschen so mit Lebewesen umgehen und solche Tierproduktionsstätten bauen dürfen. Schweine sind doch auch Lebewesen.“

*********************

Nordkurier, Artikel vom 30.06.2011

Ferkelzucht wird Thema im Landtag
Alt Tellin (tb).

Die bei Alt Tellin geplante Schweinezuchtanlage wird heute erneut Thema im Landtag sein. Das kündigte der Abgeordnete Peter Ritter (Die Linke) gestern an. Er wolle die Fragestunde nutzen, um von der Landesregierung zu erfahren, wie Nebenbestimmungen und Auflagen erfüllt wurden, die dem Investor zum beantragten Baubeginn auferlegt worden waren.

Laut Baugenehmigung hätte der Investor gestern ganz offiziell mit dem Bau der Ferkelzuchtanlage beginnen können. Allerdings sind offenbar noch nicht alle Auflagen erfüllt. Dazu zählt eine Rücklage in Höhe von 700 000 Euro für den Fall, dass er die Anlage eines Tages zurückbauen muss.

Unterdessen hat die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ für heute eine weitere Protestdemonstration vor dem Baugelände angekündigt. Da der Investor noch nicht alle Auflagen erfüllt habe, wäre ein Weiterbau illegal. Auf dem Gelände, auf dem eine der größten Schweinezuchtanlagen Europas entstehen soll, war bereits Baufreiheit geschaffen worden. Derzeit sei es auf der Baustelle ruhig, teilte die Bürger-Initiative gestern Nachmittag mit. Sie forderte im Amt für Landwirtschaft und Umwelt Konsequenzen, da es sich erst durch Druck der Öffentlichkeit ein Wegsehen nicht mehr erlauben könne.

**********************

ndr-mv: Alt Tellin: Offizieller Baubeginn für Mastanlage

Laut Baugenehmigung kann der Investor heute in Alt Tellin im Landkreis Demmin mit dem Bau einer Ferkelzuchtanlage beginnen. Doch noch sind nicht alle Auflagen erfüllt. Nach Angaben des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Natur fehlt unter anderem eine Rücklage in Höhe von 700.000 Euro, für den Fall, dass er die Anlage eines Tages zurückbauen muss. Weitere Auflagen könnten später etappenweise erfüllt werden. Die umstrittene Anlage wäre eine der größten Europas. | 29.06.2011 07:29

******************
http://www.ndr.de/regional/massentierhaltung119.html

***********************

Nordkurier, Artikel vom 20.06.2011

BI fordert „Schluss mit Kumpanei“

Alt Tellin (sth).
Zwar herrscht seit Ende vergangener Woche Ruhe auf der Baustelle für die geplante Schweinezuchtanlage zwischen Neu Plötz und Siedenbüssow. Doch aus der Schusslinie scheint die Genehmigungs- und Kontrollbehörde, das Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Neubrandenburg damit noch lange nicht. Daran ändert auch der freiwillige Bauverzicht des Investors bis zum 29. Juni nichts, im Gegenteil: Die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“, sieht dringend Handlungsbedarf beim StALU und der Politik. Denn die Art und Weise, wie die Bauunterbrechung zustande gekommen ist, sieht die BI als Farce an, wie Sprecher Jörg Kröger aus Wietzow unterstreicht.

„So soll das Eingeständnis vermieden werden, dass seit Wochen ohne gültige Genehmigung gebaut wurde und das Amt zugesehen hat. Das Amt deckt also weiterhin den Investor und dessen illegale Bautätigkeit, weil es vermeidet, diese ausdrücklich festzustellen. Zugleich wird damit versucht, die eigene Untätigkeit zu bemänteln“, lässt er wenig Gutes an der Einigung. Nach seiner Ansicht existiere bisher keine gültige Baugenehmigung, da noch gar nicht alle Auflagen erfüllt seien. Damit könne es gar keinen freiwilligen Verzicht auf weitere Baumaßnahmen geben. „Unsere Forderung lautet deshalb nach wie vor: Schluss mit der Kumpanei und sofortiger behördlicher Baustopp!“

Was den Menschen hier von Seiten des Amtes präsentiert werde, sei die schiere Arroganz der Macht, urteilt Kröger. „Glaubt man dort wirklich, gedeckt von den verantwortlichen Ministern aus CDU und SPD könne man offensichtliche Tatsachen bestreiten?“ Den Bürgern werde so der Eindruck vermittelt, bestimmte Leute könnten tun und lassen, was sie wollen. Doch dieses Kalkül werde nicht aufgehen, hofft der BI-Sprecher, zumal das Thema nun auch bei den Parteien in Schwerin ins Rampenlicht rücke.

*********************************

Nordkurier, Artikel vom 17.06.2011

Maruschke: Arbeiten sollen vorerst ruhen

Von Georg Wagner, Alt Tellin.

Der Vorhabensträger für die Schweinezuchtanlage in der Gemeinde Alt Tellin wolle seinen Verzicht auf Bauarbeiten bis zum 29. Juni erklären. Das berichtete die Leiterin des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StALU) in Neubrandenburg, Christa Maruschke, gestern nach einem Gespräch mit dem Investor. Nach ihrer Auskunft wolle er bis dahin die Auflagen erfüllen. Das beinhaltet laut Christa Maruschke Maßnahmen zur Grundstückssicherung inklusive eines Amphibienzaunes, Lesesteinhaufen und anderes.

Am Morgen vor dem Gespräch hatte Christa Maruschke laut eigener Auskunft das Gelände besichtigt, um zu sehen, wie es sich bisher gestaltet habe. Bestimmte Dinge, stellte sie fest, seien bisher vom Vorhabensträger nicht erfüllt worden.

Gestern stand die geplante Anlage auch im Agrarausschuss des Landtags zur Debatte. Im Anschluss forderte die Fraktion der Linken einen sofortigen Baustopp. „Meine Fraktion spricht sich für mehr Tierhaltung in MV aus, um regionale Kreisläufe und die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu befördern. Aber die geplante Anlage in Alt Tellin ist viel zu groß“, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion, Fritz Tack.

Er kritisierte auch das Agieren des Investors und des Staatlichen Amtes im Zuge der Genehmigung der Anlage. „Das Hickhack bei der Erfüllung von Auflagen und das unkooperative Verhalten des Investors haben zu großer Verunsicherung der Einwohnerinnen und Einwohner geführt, die zu Recht die nachhaltige Entwicklung ihrer Region bedroht sehen“, so Tack, der von „skandalösen Vorgängen“ während des Genehmigungsverfahrens sprach. Diese hätten faktisch zu einem ungenehmigten Baubeginn geführt.

Diese Kritik hatte auch die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ immer wieder vorgebracht. Ihr Sprecher Jörg Kröger bezeichnete gestern die angekündigte Verzichtserklärung zwar als einen großen Vorteil, hielt aber die Kritik am StALU aufrecht. „Das Amt sollte die Regie in der Hand haben und nicht der Investor“, sagte er. Er werfe dem Amt vor, dass es den missglückten Start verursacht habe und jetzt seit Wochen der Großbaustelle zuschaue, obwohl es für diese keine Genehmigung gebe.

*************************************

Nordkurier, Artikel vom 17.06.2011

Amt: Bau für Anlage Tellin ging zu weit
Schwerin (dpa).
Die bisherigen Bauarbeiten für die künftige Schweinezuchtanlage Alt Tellin gehen dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg zufolge über eine Bauvorbereitung hinaus. Das Amt werde aber keinen Baustopp aussprechen, sagte Amtsleiterin Christa Maruschke gestern. Der holländische Investor beabsichtige, die Bautätigkeit bis zum 29. Juni, dem genehmigten Baubeginn, einzustellen. Bis zu diesem Termin habe er noch eine Reihe von Bestimmungen und Auflagen zu erfüllen. „Sind die Auflagen erfüllt, spricht nichts gegen einen Baubeginn“, sagte Maruschke.

Vor Baubeginn müsse ein Amphibienzaun um das Grundstück errichtet werden, damit keine Tiere auf der Baustelle ums Leben kommen. Zudem müssten Steinhaufen als Unterschlupf für Eidechsen angelegt werden. Weitere Auflagen könnten später noch etappenweise erledigt werden. Das betreffe etwa ein Laichgewässer als Ausgleichsmaßnahme. Dazu seien in der kommenden Woche weitere Gespräche geplant.

Die Linksfraktion im Landtag forderte gestern nach einer Anhörung des Agrarministers Till Backhaus (SPD) im Agrarausschuss des Landtages einen sofortigen Baustopp der umstrittenen Sauenzuchtanlage im Kreis Demmin. Zweifel der Fraktion seien nicht ausgeräumt worden, teilte der agrarpolitischer Sprecher Fritz Tack mit. Demgegenüber sagte der Vorsitzende des Agrarausschusses im Landtag, Udo Timm (CDU), es gebe eine rechtsstaatliche Genehmigung für den Bau mit mehr als 200 Nebenbestimmungen und Auflagen.

**********************************

Nordkurier, 14.6.2011

Linke bringt Alt Tellin zur Sprache
ALT TELLIN/SCHWER1N (STH), Das Genehmigungsverfahren zur Schweinezuchtanlage in der Ge­meinde Alt Tellin wird diese Wo­che wohl den Agrar-Ausschuss des Landtags beschäftigten. Die Linksfraktion hat einen entspre­chenden Antrag gestellt, wie der hiesige Landtagsabgeordnete Pe­ter Ritter informierte. Seine Frak­tion erarbeitete dazu einen um­fangreichen Fragekatalog. Darin geht es unter anderem um den fehlerhaften Handlungsahlauf beim .Staatlichen Amt für Land­wirtschaft und Umwelt, die Ver­antwortung und Zuständigkei-
ten von Ministerien und die Zu­lässigkeit der gegenwärtigen Bauarbeiten auf dem Gelände.
„Das bisherige Agieren von Be­hörden und Ministerien ist ein nicht zu tolerierender Vorgang und bedarf daher umfassender Aufklärung“, erklärte Ritter. Die Unksffaktion im Landtag lehne die zwischen Neu Plötz und Sie-denbüssow geplante Anlage in ihrer Größe und Form ab. Denn dies habe nichts mit Landwirt­schaft zu tun, bringe keine Vor­teile für die Region und behinde­re stattdessen auf lange Sicht die Entwicklung dort.

*********************************

Nordkurier, 9.6.2011 auf Seite 1

Stallbau ohne Erlaubnis?
Für den Bau des Zuchtbetriebes in Alt Tellin soll laut Bürgerinitiative die Genehmigung fehlen.

DEMMIN (ROTH). Die zu Wochenbeginn gestarteten Vorbereitungs­arbeiten für den Bau von Meck­lenburg-Vorpommerns größter Schweinezuchtanlage in Alt Teillin im Landkreis Demmin sollen ohne Genehmigung erfolgt sein.
„Das Ausmaß genehmigungsfrei gestatteter Baumaßnahmen ist weit überschritten“, kritisierte Jörg Kröger, Sprecher der Bürger­initiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“, das Vorgehen der Investoren. Die amtliche Bauge­nehmigung umfasse Bedingun­gen, die derzeit noch nicht erfüllt seien. Deshalb sei „diese Bauge­nehmigung noch nicht gültig“.
Ist sie doch: Bereits Ende Sep­tember 2010 sei eine Baugeneh­migung erteilt worden, wies Christa Maruschke, Chefin des Staatlichen Amtes für Landwirt­schaft und Umwelt Mecklenbur­gische Seenplatte in Neubranden­burg die Kritik zurück. Bei den derzeitigen Arbeiten handele es sich um eine zulässige so genann­te Baufeldfreimachung. Zu Wo­chenbeginn sei der Baubeginn an­gezeigt worden, sagte Maruschke. Damit könnten frühestens in drei Wochen die Arbeiten beginnen.
Allerdings sei. Anfang Juni noch einmal klargestellt worden, dass mit der Genehmigung erteil­te Auflagen sofort zwingend er­füllt werden müssten, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Dazu gehören unter ande­rem die Anlage von Ersatz-Laich­gewässern und die Öffnung eines verrohrten Grabens. In Alt Tellin will die Straathof Holding 20 Mil­lionen Euro in sechs neue Ställe investieren, in denen insgesamt 10 500 Sauen gehalten werden.

*********************************

Nordkurier, Artikel vom 07.06.2011

Baustart für größte Schweinezuchtanlage
Alt Tellin (dpa).

Die Vorbereitungen für den umstrittenen Bau der größten Schweinezuchtanlage Mecklenburg-Vorpommerns haben begonnen. Am Dorfrand in Alt Tellin (Kreis Demmin) waren Arbeiter damit beschäftigt, einen ebenen Baugrund herzustellen.

Baubeginn solle dann voraussichtlich im Juli sein, sagte eine Sprecherin der Straathof Holding (Gladau) gestern. Für rund 20 Millionen Euro sollen sechs Ställe entstehen, in denen insgesamt 10 500 Muttersauen gehalten werden. Umweltverbände hatten den Bau mehrfach als „Massentierhaltung“ kritisiert und versucht, die Genehmigung zu verhindern. Das Staatliche Umweltamt hatte die Ställe aber unter Auflagen – wie ein Ersatz-Laichgewässer zu schaffen – erlaubt.

Die Firma rechnet mit eineinhalb Jahren Bauzeit. Der Landesbauernverband begrüßte das Vorhaben. Damit könne die mittlerweile stark gesunkene Zahl des im Nordosten gezüchteten Nutzviehs wieder gesteigert werden, hieß es.

Im Frühjahr hatte es Streit um einen Abriss alter Stallanlagen an dem Standort gegeben. Nach Angaben von Bürgermeister Frank Karstädt (parteilos) sollte in Abstimmung mit einem Naturschutzfachmann ein einsturzgefährdetes Asbestdach entsorgt werden. Umweltschützer protestierten wegen angeblicher Fledermausquartiere im Sommer dagegen.

Der Abriss wurde gestoppt. „Es ist aber ein Schandfleck geblieben“, sagte Karstädt, der auf einen späteren Abriss hofft.

*******************************************

Nordkurier, Artikel vom 04.06.2011

StALU setzt Auflagen in Kraft
Alt Tellin/Schwerin/Neubrandenburg (sth).

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburgische Seenplatte (StALU) in Neubrandenburg scheint die genehmigungsrechtliche Hängepartie um die in der Gemeinde Alt Tellin geplante große Sauen- und Ferkelaufzuchtanlage beendet zu haben: Die Behörde hat per 1. Juni festgelegt, dass sich die im Bescheid für die Errichtung und den Betrieb angeordnete sofortige Vollziehung auch auf die Nebenbestimmungen erstreckt, wie gestern aus der Pressestelle des Landwirtschaftsministeriums verlautete.

„Dieses dient der Klarstellung des Genehmigungsbescheides und soll gewährleisten, dass der Investor die in den Nebenbestimmungen angeordneten Maßnahmen erfüllt“, verdeutlichte Pressesprecherin Marion Zinke.

Die Nebenbestimmungen bezögen sich unter anderem auf naturschutzfachliche Belange. So wird der Investor verpflichtet, ein Ersatz-Laichgewässer zu schaffen und einen verrohrten Graben wieder zu öffnen. Zudem sei in den Nebenbestimmungen enthalten, dass vor Inbetriebnahme der Anlage eine Prüfung der Voraussetzungen zur Inbetriebnahme durch die Genehmigungsbehörde erfolgen wird.

*********************************

Nordkurier, Artikel vom 01.06.2011

Investor verteidigt Widersprüche gegen Auflagen
Alt Tellin (sth). Die Straathof Holding dementiert, dass der Bau der zwischen Neu Plötz und Siedenbüssow geplanten großen Schweinezucht begonnen hat. Zugleich verteidigt sie die Widersprüche gegen Auflagen im Genehmigungsbescheid, verweist auf ihren Wunsch nach größtmöglicher Klarheit. Denn was da vom Investor verlangt werde, sei nicht immer eindeutig formuliert, meinte Anwalt Helmar Hentschke von einer Potsdamer Kanzlei gegenüber Nordkurier. Zuvor hatte er in der Gemeindevertretung Alt Tellin Stellung bezogen. Schließlich hat auch die zur Kenntnis genommen, dass vor Ort bereits Baugerät angerückt ist, dort jede Menge Boden bewegt wird.

„Es geht jetzt nur um eine Baufeld-Freimachung“, erläuterte der Anwalt den Straathof-Standpunkt, „und das gehört rechtlich nicht zur Baumaßnahme.“ Irritationen seitens des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) dazu könne er nicht verstehen, zumal die Behörde wisse, dass die Baumaßnahme an sich noch gar nicht begonnen habe. „Wir werden das rechtzeitig ankündigen – wir halten uns da an die Zusagen.“

„Es geht doch nicht nur um ein paar Formulierungen“, unterstrich derweil der Abgeordnete Olaf Spillner (WG „Wir sind ein Dorf“). Stattdessen habe der Investor mit seinen Widersprüchen über 50 Auflagen erst einmal ausgehebelt, allein 25 davon drehen sich um immissionsrechtliche Dinge. Dabei gehe es zum Beispiel um die Forderung, dass es im Bereich der nächstgelegenen Bebauung nicht zu Beeinträchtigungen kommen dürfe. „Es ist relevanter als uns im Bauausschuss Glauben gemacht werden sollte“, befand Spillner.

„Der Ball liegt doch nicht mehr in meinem Feld, ich bin ja nicht die Vollzugsbehörde“, entgegnete Helmar Hentschke. „Es muss doch einfach nur beschieden werden.“ Schließlich wolle der Investor nicht in den blauen Dunst hinein bauen und dann bei der Bauabnahme plötzlich mit Unwägbarkeiten konfrontiert werden. Hier sei es für alle Seiten am besten, die Auflagen ganz genau zu formulieren. „Und daran wird sich die Vorhabenträgerin dann auch halten.“

****************************************

Nordkurier, Artikel vom 01.06.2011

„Der Fisch stinkt vom Kopf her“
Alt Tellin/Neubrandenburg (sth).

Nach wie vor besitzt der Investor rein rechtlich gesehen einen Freifahrtschein für den Bau der in der Gemeinde Alt Tellin geplanten großen Schweinezuchtanlage. Denn anscheinend hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Neubrandenburg noch keinen endgültigen Bescheid auf dessen Widersprüche verschickt, mit denen die Auflagen für den Bau erst einmal ausgehebelt worden sind. Damit aber gilt bis auf Weiteres die von der Behörde angeordnete sofortige Vollziehbarkeit der Baugenehmigung, obwohl StALU-Chefin Christa Maruschke gegenüber dem Nordkurier bereits vor zweieinhalb Wochen Abhilfe versprach. Passend dazu liefen in der vergangenen Woche Bauarbeiten auf dem Gelände an, wobei sich die Beteiligten streiten, ob das Ganze rechtlich tatsächlich als Baustart für die Stallanlage gilt.

Unabhängig davon wird der Ruf nach Konsequenzen aus der jetzigen Situation immer lauter. „Wie sieht es mit der Übernahme von Verantwortung aus“, fragt die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ in ihrem jüngsten am Wochenende erschienenen Flugblatt. „Herr Backhaus ist verantwortlich für das StALU, Minister Seidel für die dort durchgeführten Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz.“ Denn nach Ansicht von Jörg Kröger von der BI kommen nur zwei Varianten in Frage: Entweder der von der Behörde sogar eingeräumte „Fehler“ sei absichtlich passiert und wäre dann ein Fall für den Staatsanwalt oder es handele sich wirklich um ein Versehen. Auch dann seien Konsequenzen im Amt selber überfällig, ganz abgesehen von der Korrektur im Verfahren. „Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her“, so der BI-Sprecher.

Neue Nahrung bekommen die Vorwürfe durch eine öffentliche Aussage des rechtlichen Vertreters des Investors in der Gemeindevertretung Alt Tellin. Demnach hätte die Behörde schon längst reagieren können: „Unsere Begründung für den Widerspruchsbescheid liegt dem StALU seit Anfang April vor“, erklärte dort Dr. Helmar Hentschke von einer Potsdamer Kanzlei.

Amtsleiterin Maruschke war gestern nach Aussage ihres Vorzimmers nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Sie weilte demnach im Ministerium in Schwerin.

**************************************************

Nordkurier, Artikel vom 01.06.2011

Agrarminister Backhaus schiebt die Verantwortung von sich
Von Kirsten Gehrke

Demmin. Die Atmosphäre war etwas gereizt. Das Handy klingelte. In Zeiten von EHEC wollten viele den Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sprechen. „Es brennt überall“, entschuldigte sich der Politiker am Montagabend im Hotel „Pommernland“ in Demmin, wo er auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Agrarpolitik und Entwicklung ländlicher Räume nach dem Jahr 2013 sprechen sollte. Eigentlich hätte er den Termin absagen müssen und nach Berlin gemusst, meinte Backhaus. Als die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ dann auch noch Flugblätter verteilte, ahnte der Landwirtschaftsminister wohl schon, dass in der Diskussion das Thema Ferkelzuchtanlage Alt Tellin angesprochen und es für ihn kein ruhiger Abend wird. Schon während seines Vortrages betonte er, dass er die Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin auch nicht wollte, aber ihr Bau Bundesgesetz sei. Das Bundesimmissionsschutzgesetz habe Rot-Grün verabschiedet. Der Konflikt um die Tieranlage werde von allen Seiten überzogen. „Mich treffen Sie nicht“, meinte Backhaus in Richtung der Agrarfabrik-Gegner. Das Immissionsschutzgesetz gehöre ins Ressort von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). „Aber ich nehme die Prügel mit.“ Dabei hatte die Diskussion noch gar nicht begonnen, da reagierte Backhaus schon genervt. „Ich bin der Kugelfang, was im Land passiert, andere sonnen sich auf welcher Halbinsel auch immer.“

Jörg Kröger von der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“ und vom Unternehmerverband MiLAN setzte dennoch eine Diskussion in Gang. Der demografische Wandel, wie ihn Backhaus in seinem Vortrag erwähnte, sei nur die halbe Wahrheit. Es sei offensichtlich, dass Bereiche, wo die Agrarindustrie stark sei, schlechter dastehen. Wenn die Politik so fortgesetzt werde, gebe es demnächst nicht mehr ländliche Räume, die sich nach sozialdemokratischen Vorstellungen entwickeln könnten. Die Landwirtschaft verwandle sich zur Agrarindustrie. Das habe die Folge, dass die Leute weggehen müssen, weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen werde. Wenn zugelassen werde, dass dem Netzwerk aus touristischen Betrieben eine Ferkelanlage direkt am Fauna-Flora-Habitat-Gebiet grenzend vor die Nase gesetzt werde, vernichte dies Arbeitsplätze. Da dürfe es nicht heißen „ich bin nicht verantwortlich, das prallt von mir ab“, kritisierte er Backhaus. Im Koalitionsvertrag stehe schließlich, dass Investitionsverfahren beschleunigt werden sollen. Jetzt habe der Investor angefangen zu bauen, ohne dass er seine Auflagen vor Beginn erfüllt hat. „Der fängt an zu bauen, das ist doch kein Rechtsstaat“, so Kröger und spielte auf den Fehler bei der Genehmigung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) an, dem Backhaus vorsteht. Er sei der letzte, der ausweiche, rechtfertigte sich der Minister. Er halte so große Anlagen auch nicht für richtig. Die EU-Richtlinien eins zu eins zu übernehmen, sei von der CDU gekommen. „Was verstehen Sie überhaupt unter Massentierhaltung“, fragte Backhaus. Egal welcher Stall gebaut werden soll, sei man immer dagegen. „Das stinkt mich so was von an.“

Es müssten Köpfe rollen, forderte indes Nils Werner aus Siedenbüssow zu dem „Fehltritt“ des StALU. „Ja, wir werden eine Guillotine auf den Markt in Demmin stellen und lassen die Messer runterfahren“, reagierte Backhaus sauer. Er versprach aber, von der Leiterin des Amtes, Christa Maruschke, eine klare Aussage dazu einholen zu wollen und kündigte in wenigen Stunden eine Pressemitteilung an. Die blieb bis gestern Abend jedoch aus.

Unterdessen erinnerte Werner daran, dass einst die SPD-Landtagsabgeordnete Ute Schildt für den Investor gesprochen hat, der sei gut für die Region. Sie habe sich damals richtig ins Zeug geschmissen. Das wollte Schildt jedoch nicht so stehen lassen. 2006 habe sie sich bei Straathof nur informiert. Im Landtag habe sie sich danach eingesetzt, dass man eine Raumordnung brauche, dass diese Größe künftig ausgeschlossen werde.

Mit der Praxis der Genehmigung konnte sich auch der frühere Bauernpräsident des Landes, Gerd-Heinrich Kröchert, nicht anfreunden. Bei der Schweineanlage in Alt Tellin hätten mehrere Nachbargemeinden diese abgelehnt und sie sei trotzdem genehmigt worden. Auf der anderen Seite sei ein Windenergiegebiet versagt worden, weil eine Gemeinde in Opposition getreten war. „Wir brauchen die Schweine nicht“, sagte Kröchert und erhielt dafür Beifall.

************************************
Blitz, 26.5.2011

Wer war das denn?
Keine Auflagen: Freifahrtschein für Schweinezuchtanlage

Alt Tellin/pb/mk. Sage und schreibe 700 Einwendungen gegen den Bau der überdimensionalen Ferkelproduktionsanlage bei Alt Tellin wurden von besorgten Anwohnern eingereicht. Und am Ende erhält der Bauherr in der vergangenen Woche sogar die Baugenehmigung vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) ohne jegliche Umwelt-, und Bauauflagen. Hintergrund dieser Anordnung sei, wie vom StALU in der Begründung selbst angeführt wird, das Ziel der Landesregierung, die Genehmigung von Investitionsvorhaben im Land zu beschleunigen. »Erst im März hat der Bauherr ein Gebäude mit Nist- und Brutstätten geschützter Vögel und Fledermäuse illegal abgerissen. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg«, weiß Corinna Cwielag vom Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland(BUND).
Lediglich die wasserrechtliche Genehmigung fehlt dem Investor noch zum Baustart in Alt Tellin.
Mehrere TV-Beiträge sind derzeit in Vorbereitung, um jetzt bundesweit auf die Ungereimtheiten hinter der Errichtung der größten Schweinezuchtanlage Westeuropas aufmerksam zu machen.

**********************************************

Nordkurier, Artikel vom 14.05.2011

Amt Einseitigkeit vorgeworfen Alt Tellin
(sth).

Ist der derzeitige „Freifahrtschein“ für den Bau der großen Schweinezucht bei Alt Tellin, der einen Start ohne das Einhalten wichtiger Auflagen ermöglicht, Bestrebungen des Landes geschuldet, das Projekt mit aller Macht durchzudrücken? Kritiker der Anlage und des Genehmigungsverfahrens bejahen die Einschätzung, das zuständige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Neubrandenburg weist sie zurück. „Keiner vom Ministerium ist da irgendwie an uns herangetreten, um das zu beschleunigen“, erklärte Leiterin Christa Maruschke gegenüber dem Nordkurier.

Allerdings waren das gesamte Verfahren über Vorwürfe laut geworden, die Behörden versuchten, alle Argumente gegen die Ferkelfabrik vom Tisch zu fegen und vor allem im Interesse des Investors zu handeln. Höhepunkt sei die Anordnung der sofortigen Vollziehbarkeit der Baugenehmigung gewesen – unabhängig von Widersprüchen. Die Landesgeschäftsführerin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Corinna Cwielag, wirft der Behörde „Ungleichbehandlung zugunsten eines fragwürdigen Investors“ vor, die die jetzige Situation überhaupt erst geschaffen habe. Hintergrund der sofortigen Vollziehbarkeit sei, wie vom StALU in der Begründung selbst angeführt, das Ziel der Landesregierung, die Genehmigung von Investitionsvorhaben im Land zu beschleunigen.

„Es darf künftig für Agrarfabriken keine Genehmigungsverfahren mehr geben, deren Ziel erkennbar nur darin besteht, möglichst rasch zu einer Genehmigung zu kommen“, fordert Jörg Kröger, Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“. Stattdessen sei eine ergebnisoffene Prüfung erforderlich, ob solche Anlagen wirklich den berechtigten Ansprüchen der Allgemeinheit sowie des Tier- und Umweltschutzes gerecht werden.